On Stage – Rhetorik und Präsentation für echte Profis

Deutsche Politiker mögen ihre Qualitäten haben, als begnadete Redner gelten sie nicht unbedingt. Der „Verband der Redenschreiber deutscher Sprache“ (VRdS) wollte es vor der letzten Bundestagswahl genauer wissen und hat den Spitzenkandidaten aller bis dato im Bundestag vertretenen Parteien bei ihren öffentlichen Auftritten im Straßenwahlkampf zugesehen und ihre Reden nach einem einheitlichen System bewertet. Die Rhetorik-Experten vergaben Punkte für Sprache, Argumentation und Stil sowie Aufbau und Struktur der Rede. Auch Körpersprache, Stimme und Glaubwürdigkeit der Redner kamen auf den Prüfstand. Extrapunkte gab es, wenn ein Politiker sein Publikum wirklich begeistern konnte.

Als der beste politische Redner der Republik erwies sich in diesem Rahmen Gregor Gysi. Der Rechtsanwalt und Fraktionsvorsitzende der Linkspartei fesselt seine Zuhörer durch rhetorische Eloquenz, sprachlichen Witz, Angriffslust sowie „Berliner Schnauze“. Ein Überraschungsergebnis erzielte die Bundeskanzlerin. Angela Merkel wird normalerweise eine eher dröge Rhetorik zugeschrieben. Im Wahlkampf punktete sie zumindest aus Expertensicht jedoch durch ihre unaufgeregte Art, persönliche Glaubwürdigkeit und Sachlichkeit. Eher einfache Argumentationen sorgen für Nachvollziehbarkeit beim Publikum, auch ihre „präzise Unbestimmtheit“ in entscheidenden Fragen habe sich vor der Bundestagswahl als Plus erwiesen.

Angela Merkels ebenso wie Gregor Gysis rhetorisches Geheimnis lautet: Authentizität. „On Stage“ kommunizieren sie nicht nur Inhalte, sondern auch Essentials ihrer Persönlichkeit. Vor allem Gysi weiß zusätzlich um die Macht von Emotionen und setzt diese gezielt als Instrument seiner persönlichen Rhetorik ein.

Fehlende Authentizität als rhetorisches Lernprogramm?

Ein solches Authentizitätskonzept lässt sich auf jede Präsentation und jeden anderen öffentlichen Auftritt im Business-Kontext übertragen. Die Realität sieht indessen in vielen Fällen traurig aus: Viele Vortragende schaffen es nicht, eine kommunikative Brücke zu ihrem Publikum zu schlagen. An sich interessante Inhalte werden mit Hilfe einer Flut von Folien übermittelt. Der Redner wirkt am Pult wie festgetackert – steif, regungslos und starr. Auch stimmlich lässt so manche Präsentation zu wünschen übrig: Es wird geleiert, genuschelt und die eigene Unsicherheit durch möglichst leises Sprechen unterstrichen. Die Idee, dass Emotionen im Geschäftsleben nichts zu suchen haben, ist zwar durch nichts belegbar, wird von vielen Rednern aber trotzdem als ein rhetorisches Basis-Tool betrachtet.

Ein Heer von Kommunikationstrainern hat diese Situation in den letzten Jahren noch verschlimmert. Als Konsens gilt oft, dass jede Geste eine ganz bestimmte Bedeutung überträgt und erfolgreiche Redner sich an diesen Regelkatalog zu halten haben. Ob der antrainierte Auftritt zur Persönlichkeit des Redners passt, ist dabei völlig unerheblich. Als Basis einer „guten“ Präsentation wird ohnehin nicht dessen kommunikativer Auftritt im Sinne einer fesselnden Gesamt-Performance, sondern die perfekte Visualisierung in PowerPoint betrachtet. Das Resultat: Mehr als eine Präsentation geht absolut ins Leere, da die Trockenheit und Inauthentizität des Vortrags die Aufmerksamkeit des Publikums zuverlässig ins Nirwana schicken.

AIDA – theoretisch, allgemein, ohne echte Reden-Relevanz

Vielleicht erinnern Sie sich jetzt an ein Verkaufs- oder Präsentationstraining, in denen Ihnen das AIDA-Modell (Attention – Information – Desire – Action) als universelles Handwerkszeug für Ihre öffentlichen Reden empfohlen wurde. In Ihrem Alltag finden Sie dies auch gut und praktikabel – in Ihren Präsentationen richten Sie sich auch danach? Bitte machen Sie an dieser Stelle eine persönliche Erfolgskontrolle: Wie oft haben Sie geschafft, Ihre Zuhörer durch AIDA wirklich mitzureißen? Die Crux daran aus unserer Sicht: AIDA klingt zwar gut, ist als allgemeines Modell auch nicht falsch – zur perfekten Präsentation verhilft es in der Praxis jedoch nicht, da keinerlei konkrete Handlungshinweise für den Vortragenden damit verbunden sind.

Geschäftsfrau hält einen Vortrag

contrastwerkstatt – stock.adobe.com

Die Basis der perfekten Präsentation – Ihre eigene Persönlichkeit

Wir meinen, die Basis für die perfekte Präsentation liegt in Ihrer eigenen Persönlichkeit – ein gutes Kommunikations- oder Rhetoriktraining orientiert sich daran und hilft Ihnen, die Potenziale dafür zu entwickeln. Wenn Sie nochmals einen Moment an die Rednerin Angela Merkel denken: Ihre gute Bewertung durch die professionellen Redenschreiber resultiert vor allem daraus, dass sie auch rhetorisch dazu steht, wie sie nun einmal ist. Wenn zu einem solchen Ansatz auch noch ein fundiertes Wissen um die Zielgruppe, für die Sie präsentieren, gut strukturierte Inhalte und – idealerweise – ein emotional packendes Storytelling kommen, haben Sie Ihr Publikum fast schon mit Sicherheit auf Ihrer Seite.

Präsentationstipps:

  • Erkennen Sie Ihren eigenen Typ, reflektieren Sie Ihren eigenen Stil und finden Sie heraus, welche Mimik, Gestik und Körpersprache dazu passen.
  • Nutzen Sie Kreativitätstechniken und rhetorische Tools, um Ihre Zuhörer intellektuell und emotional zu packen.
  • Lernen Sie die Zielgruppe Ihrer Präsentation bereits im Vorfeld kennen und richten Sie Ihren Vortrag so exakt wie möglich daran aus.
  • Strukturierte Inhalte, klare Worte, technische Visualisierung: Gerne – aber nach dem Grundsatz „Emotion geht vor Ratio!“
  • Werden Sie in Ihrer Präsentation zum Storyteller.

Quellen:
http://www.augsburger-allgemeine.de/community/profile/Wahlblogger/Gute-Redner-schlechte-Redner-id26973406.html
http://de.wikipedia.org/wiki/AIDA-Modell